Aus der Lokalpresse vom 16.11.2017

Ein Vertrauensbeweis
Zwei Brüder, ein Team: Lukas (l.) und Martin Meiler bleiben weiter ein Gespann im Team Vorarlberg. foto: fkn

a155283240i0012 max1024x Meiler

Lukas und Martin Meiler bleiben nach einer guten Saison beim Team Vorarlberg – Starker Abschluss in China

von christian fellner

Oberammergau – Auf der Insel Hainan hat’s den Meilers gefallen. „Ich würd’ da schon noch mal hinfahren, auch zum Urlaubmachen“, sagt etwa Lukas Meiler. Freundliche Menschen, großartiges Wetter, schöne Hotels – auf der Sonnen-Insel der Chinesen passte alles. Sportlich war’s auch nicht schlecht, was die Brüder Lukas (22) und Martin (19) aus Oberammergau dort erlebt haben. Zum Saisonabschluss waren die beiden Straßenradprofis von ihrem Team Vorarlberg für diesen späten Höhepunkt – das letzte Rennen – nominiert worden. Vielleicht ein kleines Dankeschön für eine gute Saison. In jedem Fall ein Vertrauensbeweis. Die Meilers und der Rennstall aus Rankweil in Vorarlberg – die Verbindung funktioniert. Kein Wunder also, dass beide frühzeitig einen Vertrag für das kommende Jahr vorgelegt bekamen – und ihn natürlich auch unterzeichneten.

Sie sehen sich so ähnlich. Auf dem Rad aber sind sie doch so verschieden. Es ist kurios. Aber bei der Tour of Hainan, einer achttägigen Rundfahrt der zweithöchsten internationalen Kategorie (2. HC) wurde dies mal wieder deutlich. Während Lukas, der zum Rundfahrer tendierende Allrounder, alles tat, Kapitän Patrick Schelling zu flankieren und selbst Ausreißversuche unternahm, stand Martin, der Sprinter, bei den schnellen Zielankünften im Fokus. Immer wieder hielt er sein Vorderrad rein in die megaschnellen Sprints zum Ende einer Etappe. Platzierungen zwischen 11 und 18 waren die Folge. Mehr als beachtlich für einen Jungspund, der sein erstes Profijahr bestreitet. „Nach der ersten Etappe, in der es schon gut gelaufen war, hatte ich mir eigentlich ein Top-Zehn-Resultat vorgenommen“, sagt Martin Meiler. „Wär’ schön gewesen, aber leider hat es nicht ganz geklappt.“ Wahrscheinlich, weil er einmal zu oft auf seinen Teamkollegen Der Zsolt achtete, für den das Team vorrangig die Sprints anfuhr. Doch der Ungar hatte nicht immer die besten Beine. So verpuffte Meilers Antritt mindestens einmal. Dann stand er zu früh im Wind, hatte keine Chance, auf eigene Karten wirklich weit vorne mitzumischen. „Ein bisschen ein Missverständnis.“

Dennoch: Auch ohne Top-Zehn-Platzierung verblüffte Meiler junior die sportliche Führung. So sieht es auch der große Bruder: „Ich glaube, Martin hat ziemlich überrascht.“ Vor allem mit seiner Konstanz, seiner Ausdauer, auch nach langen Tagesabschnitten im Pulk der schnellen Männer dabei zu sein. „Das war mein erstes Rennen überhaupt, das länger als fünf Tage ging, dazu das erste in einer HC-Kategorie“, betont der Youngster. „Ich hatte vorher Respekt vor der Länge der Etappen.“ Letztlich steckte er das Pensum sehr gut weg – und zieht aus der Tour „große Motivation“ für die Zukunft. „Natürlich muss ich nächstes Jahr erst einmal daran anknüpfen.“ Doch er ist optimistisch. „Was nur in der einen Saison passiert ist, macht mich zuversichtlich. 2016 hatte ich kaum ein Rennen gefahren, dachte irgendwann, ich kann nicht mehr sprinten.“ Nun geht’s für ihn zwar noch nicht um den Sieg, aber er hat sich etabliert.

Das gilt für Lukas Meiler schon länger. Sonst wäre er sicher nicht mehr Teil dieser Mannschaft. So hart ist das Geschäft nun mal. Doch der drei Jahre Ältere hat seine Rolle: Er ist der Verlässliche, einer, auf den das Team zu jederzeit bauen kann. Auch diese Fahrer sind wertvoll. Er überzeugte mit Konstanz. „Ich war von Mai bis November fast immer mit guter Form unterwegs.“ Dabei darf man nicht vergessen, dass auch der ältere Bruder erst 22 Jahre ist. „Definitiv meine längste Saison bisher, wir sind von Mitte März bis November Rennen gefahren.“ Auch eine neue Erfahrung. China zuletzt bezeichnet er als Höhepunkt, weil „alles so unkompliziert war, so perfekt organisiert, sogar besser als die Österreich-Tour.“ Letztere war im Vorfeld des Jahres das große Ziel gewesen. Meiler packte es. „Nur leider hatte ich dort keinen richtig guten Tag“, bedauert er.

Generell mangelt es noch ein wenig an Ergebnissen. „Das hatte ich mir für heuer schon vorgenommen.“ Mal etwas Zählbares fabrizieren, mal durchkommen bei einer Attacke. „Oft hat es aber von der Team-Taktik nicht geklappt.“ Lukas Meiler ist aber auch selbstkritisch. „Ich muss daran weiter arbeiten, ich bin oft zu verhalten, traue mir es nicht zu.“ Er nimmt den Begriff Killerinstinkt in den Mund. „Der fehlt mir vielleicht ein bisschen.“ Er denkt an ein Rennen in Judendorf. „Da war ich Kapitän.“ Mit der Rolle kam er nicht so wirklich klar an diesem Tag. „Ich denke, dass man aber auch das trainieren kann, dass ich einfach öfters in die Situation kommen muss.“ Gute Entscheidungen zu treffen, das richtige Timing zu haben – auch eine Sache von Routine.

Doch Lukas Meiler erlebte genauso viele positive Momente: In China wurde er auf einer Etappe zum kämpferischsten Fahrer gewählt. Gerne erinnert er sich auch an das Eintagesrennen Pro Ötztaler 5500. Bis zum Timmelsjoch lag er in der Spitzengruppe, fiel erst dort ab. „Im Jahr davor wäre ich wahrscheinlich schon im Kühtai weg gewesen.“ Nun fuhr er bis zum letzten Berg vorne mit. Selbst Kapitän Patrick Schelling war schon rausgeflogen. Momente, die ihm Mut machen.

Und ihn anstacheln für die nächste Saison. „Ich werde auf dieses Jahr aufbauen und will endlich Resultate einfahren“, stellt er klar. „Ich weiß, dass ich einen guten Stand im Team habe.“ Aber: Edelhelfer zu sein, ist schließlich nur die eine Seite der Medaille. Und auch wenn Hainan wegen Land und Leute schon eine Reise wert ist, dort einmal ein Ausrufezeichen zu setzen, da würden beide Meilers nicht Nein sagen.